Programm
FRIEDRICH CONSTANTIN HOMILIUS
Quartett für vier Waldhörner B-Dur op. 38
Alla Marcia
Andante
Presto
KERRY TURNER
Quartet No. 1 for Horns op. 5
Allegro
Andante
Allegro con brio
PAUSE
JAN KOETSIER
Cinq Miniatures pour quatre Cors en Fa op. 64
Petite Marche
Chant sentimental
Scherzo
Valse ironique
Final
CHRISTER DANIELSSON
Konzertante Suite für vier Hörner und Tuba
Largo – Allegro vivo
Moderato misterioso
Andante con sentimento
Alla marcia
OVER THE TOP
Das Hornquartett ist in unseren, am romantischen Repertoire orientierten Orchestern die größte Standardbläsergruppe. Geschichtlich gesehen hatte dies zunächst praktische Gründe. Bis ins frühe 19. Jahrhundert hatten Hörner einen begrenzten, sich aus der Länge des Instruments physikalisch ergebenden Tonvorrat. Der war natürlich größer, wenn vier statt nur zwei Hörner besetzt waren. Denn chromatisches Spiel, also das Hervorbringen aller 12 Halbtöne innerhalb einer Oktave, war nur mit erheblichem spieltechnischem Aufwand möglich. Das änderte sich erst mit der Erfindung der Ventile. Gleichzeitig hatte man die großen Vorteile erkannt, die ein Hornquartett durch seine einzigartige klangliche Variabilität dem Orchesterklang bringen kann und damit das etabliert, was Robert Schumann so schön die «Seele des Orchesters» genannt hat.
Der Vater von Friedrich Constantin Homilius (1840–1908) war in St. Petersburg 1. Hornist am kaiserlichen Theater und Professor am dortigen Konservatorium. Man vermutet, dass ihm bzw. seiner Hornklasse das Quartett für vier Waldhörner gewidmet war. Schönste romantische Harmonien und dankbare Aufgaben für alle Musiker bestimmen das Stück. Ganz typisch ist der erste Satz Alla Marcia mit flotten Sextolen und punktierten Rhythmen. Über einem satten Klangteppich können sich im langsamen Satz die hohen Hörner in ausschwingenden Kantilenen die Bälle zuspielen. Das abschließende Allegro con brio ist ein ausgelassener 6/8-Takt und lässt Erinnerungen an ferne Jagdgesellschaften aufkommen.
Kerry Turner (* 1960) ist ein Multitalent. Der Texaner begann schon in jungen Jahren zu komponieren, studierte Horn in New York, später in Stuttgart, und war ab 1985 Hornist im Philharmonischen Orchester von Luxemburg. Ende der 1980er-Jahre wurde er auch Mitglied des «Amerikanischen Hornquartetts». Mit Komponieren hatte er nie aufgehört, und so lag es nahe, auch für sein Ensemble sein erstes Quartet op. 5 zu schreiben. Als Hornist weiß er selbstverständlich um die Möglichkeiten seines Instruments, und die drei kurzen Sätze lassen, ganz unprogrammatisch, Bilder entstehen, wie sie vielleicht nur in seiner amerikanischen Heimat zu finden sind. Mit einer aufschwingenden Kantilene beginnt das erste Allegro und öffnet sich zu einem großen Panorama. Über mehrere Stationen, mal mit virtuosem Laufwerk, mal rhythmisch markant, aber auch nachdenklich, kehrt der Satz zu seinem Ausgang zurück. Ähnlich zyklisch ist auch das folgende Andante, wenn aus leeren Quinten ein ruhiger Morgengesang wird und nach einem bewegten Mittelteil leicht verändert wiederkehrt. Mit Feuereifer geht es in den Schlusssatz, zwei Takte mit klarem Rhythmus wirken wie ein Startschuss für ein munteres Wechselspiel mit dem folgende Hauptthema. Permanent steigert sich das Treiben, bis eine kurze Fanfare den Schlusspunkt setzt.
Jan Koetsier (1911–2006) wuchs als geborener Niederländer in Berlin auf und studierte dort Klavier, Komposition und Dirigieren. Er arbeitete zunächst als Pianist bei verschiedenen Theatern, ab 1942 als Dirigent beim Concertgebouworkest in Amsterdam. Von dort kam er 1950 nach München an den Bayerischen Rundfunk und wirkte an über 700 Aufnahmen für die Erstellung eines Klangarchivs mit, bevor er 1965 eine Lehrtätigkeit für Komposition an der Musikhochschule München aufnahm. Sein Werkverzeichnis umfasst alle denkbaren Genres. Aber den Blechblasinstrumenten galt von frühester Jugend an seine besondere Zuneigung. In den verschiedensten Besetzungen finden sich Werke für diese Instrumentengruppe. Die Cinq Miniatures pour quatre Cors en Fa sind ein schönes Beispiel für seinen eingängigen, immer an der Tonalität orientierten Kompositionsstil, der gleichzeitig die Interpreten im besten Licht erscheinen lässt. Die fünf kurzen Sätze sind gut gelaunte Charakterstücke, die treffsicher einlösen, was ihre Titel versprechen.
Der Schwede Christer Danielsson (1942–1989) war studierter Posaunist, blieb als Komponist immer Autodidakt und bewegte sich beruflich zwischen den gegensätzlichen Welten der sinfonischen Musik, dem Big-Band-Jazz und der Avantgarde. Das gilt auch für seine eigenen Werke, wobei er sich besonders für die verschiedensten Bläserkombinationen interessierte. Die Konzertante Suite ist eines seiner bekanntesten Werke, ein vergnüglich heiteres Divertimento, eingängig, mit Momenten von ruhiger Gesanglichkeit, aber auch leicht skurrilem Einschlag – ein großes Vergnügen für Musizierende und Hörende.
Hermann Keßler
Impressum
Philharmonisches Orchester Bremerhaven
SPIELZEIT 2025/2026
REDAKTION Markus Tatzig, Torben Selk
SATZ Nathalie Langmaack
