Das Philharmonische Orchester im Großen Haus des Stadttheater

7. Sinfoniekonzert «Licht des Südens»

OTTORINO RESPIGHI Fontane di Roma
OTTORINO RESPIGHI Concerto all’antica a-Moll für Violine und Orchester
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 «Italienische»

TERMINE 11. / 12. Mai 2025 // Großes Haus

Einführung jeweils 30 Minuten vor Konzertbeginn im Großen Haus.

Denkt man an Italiens große Musiker:innen, führt an der romantischen Belcanto-Oper mit ihren melodiösen Arien und herzzerreißenden Sujets kaum ein Weg vorbei. Für Ottorino Respighi reichte dies jedoch nicht und so findet sich in seinem OEuvre eine große Bandbreite reiner Instrumentalmusik. Sein populärstes Werk für Orchester ist Fontane di Roma, das den einmaligen Wasserspielen der Ewigen Stadt in wunderbar farbigen Orchestertableaus ein glitzerndes Denkmal setzt. Einige Jahre früher entstand sein Concerto all’antica für Violine und Orchester. Dieses Werk, das den Spätromantiker von einer ganz anderen Seite zeigt, enthält stilistische Elemente des Barock, die seiner Musik eine ungemein spielfreudige und sehr individuelle Note verleihen. Auf den Spuren Johann Wolfgang von Goethes reiste Felix Mendelssohn Bartholdy nach Italien, beeindruckt von Licht, Farbe und Natur. «Da steckt die Musik drin, da tönt’s und klingt’s von allen Seiten», schrieb er nach Hause. Daraus entstand, noch während er unterwegs war, seine Italienische Sinfonie – ein Mitbringsel voll unnachahmlicher Energie und Leichtigkeit.

7. Sinfoniekonzert

«Licht des Südens»

Programm

Dirigent: Marco Angius
Violine: Francesca Bonaita
Philharmonisches Orchester Bremerhaven

OTTORINO RESPIGHI (1879–1936) 

Fontane di Roma
     La fontana di Valle Giulia all’alba
     La fontana del Tritone al mattino
     La fontana di Trevi al meriggio
     La fontana di Villa Medici al tramonto

OTTORINO RESPIGHI

Concerto all’antica a-Moll für Violine und Orchester
     Allegro
     Adagio non troppo
     Vivace

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY (1809–1847)

Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 «Italienische»
     Allegro vivace
     Andante con moto
     Con moto moderato
     Saltarello. Presto

Dauer: ca. 1 Stunde, 40 Minuten // eine Pause nach ca. 45 Minuten

OTTORINO RESPIGHI

Fontane di Roma und Concerto all’antica a-Moll für Violine und Orchester

Dauer: ca. 15 und 30 Minuten
Entstehung: 1916–1917 und 1908

Irgendwas an dem 20-Jährigen Ottorino Respighi ist besonders. Er tritt bisher zwar nicht als Wunderkind auf. Doch im Abschlussjahr seines Studiums in Violine und Viola am Liceo musicale in Bologna macht er von sich reden. Von einer Prüfung berichtet die La Gazzetta dell’Emilia am 25. Juni 1899: «Respighi ist das Risiko eingegangen, das Bravourstück Le Streghe von Niccolò Paganini zu spielen. Er bewies, dass er das Zeug zum konzertierenden Künstler hat und imstande ist, wahren Enthusiasmus zu entfachen.» 1900 wird er Mitglied des Orchesters der Stadt Bologna, im selben Jahr spielt er fünf Monate aushilfsweise am kaiserlichen Opernhaus in St. Petersburg. Der Kompositionsunterricht bei Nikolai Rimski-Korsakow wird zum Wendepunkt für seine Kunst in der Orchestrierung.

1901 erhält Respighi das Diplom in Komposition in Bologna. Anregungen für Stoffe neuer Werke findet er in der Universitäts-stadt genug. Seine Kompositionen werden nicht nur in Bologna aufgeführt, sondern 1907 in ganz Italien und 1908 erstmals in New York. Respighi komponiert nicht im Belcanto- oder Verismo-Stil, wie sie in Italien dank Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini vorherrschen. Der Impressionismus aus Frankreich und die Tradition des italienischen Barocks faszinieren ihn viel mehr. Dies merkt man seinem Concerto all’antica für Violine und Orchester von 1908 an. Klarheit, barocke Leichtigkeit und spätromantische Lyrik prägen das gesamte Werk. Schon im ersten Satz lassen sich Anlehnungen an Antonio Vivaldi heraushören. Es gibt eine klare Rollenverteilung: Die melodische Leichtigkeit der Violine und ein satter Streichapparat wechseln sich ebenso ab wie virtuose Läufe und kürzere, stockende Motive. Der zweite Satz ist hochromantisch. Eine sehnende Kantilene der Violine singt über einer ewig gleichen Klangfläche der Streicher. Wie bei Chopin oder Debussy. An diese Klarheit kann das scheinbar barocke Rondo im 3. Satz anschließen. Es besticht durch ein tänzerisches Thema, das mit beinahe übermütiger Spielfreude zwischen Solovioline und Orchester hin- und hergeworfen wird. Respighi komponiert das Concerto all’antica zwar 1908, lässt es aber erst 1925 in Budapest uraufführen – zu einer Zeit, als der Neoklassizismus seine volle Blüte erreicht.

1913 folgt Respighi einem Ruf nach Rom an das Liceo Musicale di Santa Cecilia. Zunächst fremdelt er mit dem Lärm der Großstadt, findet aber durch seine Liebe zur Geschichte und Musik schnell einen Zugang zur Seele Roms. So beginnt er 1916 mit einer Trilogie aus Programmstücken: Fontane di Roma (Brunnen von Rom), Pini di Roma (Pinien von Rom) und Feste di Roma (Römische Feste), in denen er mit Merkmalen Roms verschiedene Facetten der Stadt beleuchtet. Dafür setzt Respighi vor allem auf farbenreiche, moderne Klänge, wie er sie bei Rimski-Korsakow gelernt hat.

Der erste Teil von Fontane di Roma illustriert den Brunnen von Valle Giulia am frühen Morgen, der in einem Talgebiet am heutigen Stadtrand steht. Respighi malt hier «eine Hirtenlandschaft. Schafherden ziehen vorüber und verlieren sich im frischfeuchten Dunst einer römischen Morgendämmerung.» Der zweite Teil widmet sich dem zentrumsnahen Tritonenbrunnen aus dem 17. Jahrhundert. Respighi beschwört dessen Mythologie: «Ein freudiger Aufruf an Najaden und Tritonen, die einander verfolgen und sich in einem wilden Tanz unter der herabfallenden Gischt vermischen.» Der dritte Abschnitt beschreibt den Trevi-Brunnen, auch heute noch eine touristische Hauptattraktion. Das feierliche Thema der Holz- und Blechbläser inszeniert Neptun auf seinem muschelförmigen, von Tritonen und Seepferdchen gezogenen Streitwagen. Der vierte Teil widmet sich dem Brunnen der Villa Medici. Dazu schreibt Respighi: «Er kündigt sich durch ein trauriges Thema an, das sich wie über einem leisen Geplätscher erhebt. Es ist die schwermütige Stunde des Sonnenuntergangs. Die Luft ist voll von Glockenklang, Vogelgezwitscher und Blätterrauschen. Alsdann erstirbt dies alles sanft im Schweigen der Nacht.»

Die Uraufführung am 11. März 1917 in Rom sollte eigentlich Arturo Toscanini dirigieren. Doch dieser sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, da er Werke von Richard Wagner auf das Programm gesetzt hatte – und das, während sich Italien im Krieg mit Deutschland befand. In der Folge übernahm Antonio Guarnieri die Leitung, doch die Premiere wurde ein Misserfolg. Erst als Toscanini das Werk Monate später in Mailand dirigierte, setzte der triumphale Erfolg ein. 

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY

Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 «Italienische»

Dauer: ca. 30 Minuten
Entstehung: 1830–1833

Was wir heute als Bildungsreise bezeichnen, ist Mitte des 19. Jahrhunderts die obligatorische «Grand Tour». Auch Felix Mendelssohn Bartholdy begibt sich in seinen frühen Zwanzigern auf Reisen. 1829 nach Großbritannien, ab Mai 1830 schließlich nach Italien. Diese Reisen prägen seine berühmtesten Werke: Schottland inspiriert ihn zur Hebriden-Ouvertüre und zur Schottischen Sinfonie, Italien zur Italienischen Sinfonie. Von Berlin aus reist er mit einem prägenden Zwischenstopp bei Goethe in Weimar über Venedig und Florenz bis nach Rom und Neapel. Mendelssohn Bartholdy saugt die Kultur auf, zeichnet Landschaften und schreibt enthusiastische Briefe über die klimatische und menschliche Wärme des Südens. Um die Atmosphäre auch musikalisch festzuhalten, fängt er schon vor Ort mit der Komposition an. So schreibt er 1831 aus Rom an seine Schwester Fanny: «Die italienische Sinfonie macht große Fortschritte. Es wird das fröhlichste Stück sein, das ich je geschrieben habe, besonders der letzte Satz.» Doch hinter dieser Euphorie verbarg sich ein quälender Perfektionismus: Mendelssohn Bartholdy sollte das Werk zeit seines Lebens als unfertig empfinden.

Die mediterrane Helligkeit durchzieht das Werk. Schon im ersten Satz bricht unvermittelt ein sprudelndes Thema hervor, das heute zu den bekanntesten Melodien der Romantik zählt. Der zweite Satz wird oft als religiöse Prozession gedeutet, die Mendelssohn Bartholdy in den Straßen Roms beobachtete. Das feierliche, fast rituelle Schreiten der Musik verbindet sich mit einer elegischen Grundstimmung – ein Echo auf die persönlichen Verluste jener Jahre, wie den Tod seines Lehrers Carl Friedrich Zelter. Einen Moment des Innehaltens bietet der dritte Satz. Dieses charmante Menuett ist keine nostalgische Rückwendung zum Barock, sondern wirkt wie ein spätnachmittäglicher Spaziergang durch italienische Parkanlagen – elegant, lichtdurchflutet und von einer fast schwebenden Heiterkeit. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, die Mendelssohn Bartholdy meisterhaft nutzt, um den Kontrast zum anschließenden Kehraus zu verschärfen. Mit dem Finale bricht Mendelssohn Bartholdy mit einer eisernen Regel der Sinfonik: Er lässt das Werk nicht strahlend in A-Dur enden, sondern im wilden, fast gehetzten a-Moll. Dieser dionysische Wirbelwind aus Saltarello und Tarantella zeigt Italien nicht als Postkartenidylle, sondern als einen Ort ungezügelter, archaischer Energie. Obwohl die Uraufführung am 13. Mai 1833 in London ein triumphaler Erfolg ist, verweigert Mendelssohn Bartholdy die Veröffentlichung. Er feilt zeitlebens an Verbesserungen, die er nie als endgültig akzeptiert. Dass die Sinfonie erst posthum erscheint, tut ihrer Popularität keinen Abbruch: Sie bleibt das strahlende musikalische Monument seiner Sehnsucht nach dem Licht des Südens.

Torben Selk

Marco Angius

Dirigent

Marco Angius hat bereits Orchester wie das Tokyo Philharmonic Orchestra, Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, Teatro la Fenice Orchestra oder L’Orchestre Philharmonique du Luxembourg dirigiert. Er leitete einen Großteil der Ausgaben der zeitgenössischen Konzertreihe RAI Nuova Musica des Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI in Turin von 2007 bis heute. Seit 2011 war er Chefdirigent des Ensembles Giorgio Bernasconi der Accademia Teatro alla Scala und ist seit 2015 Musikalischer und Künstlerischer Leiter des Orchestra di Padova e del Veneto. Auf zeitgenössischen Musikfestivals leitete er u. a. Filippo Peroccos Aquagranda und Salvatore Sciarrinos Aspern am Teatro la Fenice, Karlheinz Stockhausens Inori bei der Biennale di Venezia oder Salvatore Sciarrinos Luci mie traditrici am Teatro Comunale di Bologna. Seine umfangreiche Diskografie umfasst Werke von Salvatore Sciarrino, Luigi Nono, Arnold Schönberg, Giorgio Battistelli und Ondřej Adámek. 2007 erhielt er den Schallplattenpreis Amadeus für Mixtim von Ivan Fedele und 2023 den Premio della critica musicale «Franco Abbiati» für das Album Parole da Beckett mit der Musik von Giacomo Manzoni.

Francesca Bonaita

Violine

Francesca Bonaita, von The Strad als «von besonders berührendem Klang und natürlichem, lyrisch-expressivem Fluss» beschrieben, gehört zu den herausragenden jungen Solistinnen ihrer Generation und besticht durch interpretatorische Reife, eine virtuose Technik sowie eine außergewöhnliche Beherrschung des Klangs. Sie ist vielfache Gewinnerin internationaler Wettbewerbe, Finalistin der International Anton Rubinstein Competition und hat sich bei Wettbewerben des WFIMC-Weltverbands hervorgetan – Arthur Grumiaux International Competition, George Enescu International Competition, Internationaler Wettbewerb Kloster Schöntal und Béla Bartók Competition. Sie tritt als Solistin mit renommierten internationalen Orchestern auf, darunter das Orchestra della Svizzera Italiana. Neben einer intensiven Konzerttätigkeit hat sie für Brilliant Classics die CD Karol Szymanowski. Works for violin and piano aufgenommen, die von der Kritik hoch gelobt und für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde. Sie vervollkommnet ihre Ausbildung bei Sergei Krilov, Aleksei Semenenko und Andrei Baranow und verfügt über drei postgraduale Masterabschlüsse mit Auszeichnung am Conservatorio della Svizzera Italiana sowie an der Folkwang Universität der Künste.

Impressum

HERAUSGEBER Philharmonisches Orchester Bremerhaven
SPIELZEIT 2025/2026, Nr. 25 
GENERALMUSIKDIREKTOR Marc Niemann
VERWALTUNGSDIREKTORIN Franziska Grevesmühl-von Marcard
REDAKTION Markus Tatzig, Torben Selk
SATZ Nathalie Langmaack

QUELLEN
Flamm, Christoph: Ottorino Respighi und die italienische Instrumentalmusik von der Jahrhundertwende bis zum Faschismus. Laaber 2008.
Konold, Wolf: Die Symphonien Felix Mendelssohn Bartholdys. Untersuchungen zu Werkgestalt und Formstruktur. Laaber 1992.
Respighi, Elsa: Ottorino Respighi. Biografie. Frankfurt 1962.

AUFFÜHRUNGSRECHTE
Fontane di Roma: Kalmus, USA – Ricordi reprint
Concerto all’antica a-Moll für Violine und Orchester: Ricordi, Mailand
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 «Italienische»: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden

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