Programm
Dirigent: Marc Niemann
Solist:innen: Signe Heiberg, Dorothea Spilger, Weilian Wang, Volodymyr Morozov
Chöre: Evangelische Stadtkantorei Bremerhaven, Bachchor Bremerhaven, Rathschor Bremen, Extrachor des Stadttheaters Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven
GIUSEPPE VERDI (1813–1901)
Messa da Requiem
I. Requiem
II. Sequentia
Dies irae
Tuba mirum
Liber scriptus
Quid sum miser
Rex tremendae majestatis
Recordare
Ingemisco
Confutatis
Lacrimosa
III. Offertorium
Domine, Jesu Christe
Hostias
IV. Sanctus
V. Agnus Dei
VI. Lux aeterna
VII. Libera me
Dauer: ca. 1,5 Stunden // keine Pause
Das Konzert am 17. Juni 2026 wird vollständig von Radio Weser.TV für eine Ausstrahlung im Regionalfernsehen aufgezeichnet.
Mit Giuseppe Verdis Messa da Requiem verabschiedet sich Generalmusikdirektor Marc Niemann vom Philharmonischen Orchester Bremerhaven und dem Bremerhavener Publikum. Kaum ein Werk verbindet musikalische Wucht, menschliche Verletzlichkeit und existenzielle Tiefe so unmittelbar.
GIUSEPPE VERDI
Messa da Requiem
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Entstehung: 1874
Kein Trost. Kein Frieden. Nur Wahrheit.
Es ist der 22. Mai 1874. In der vollbesetzten Mailänder Kirche San Marco herrscht atemlose Stille. Am Dirigentenpult steht Giuseppe Verdi selbst. Er hebt den Taktstock, und die ersten Töne seiner Messa da Requiem erklingen. Was folgt, sprengt die Grenzen geistlicher Musik. Verdi, der ungekrönte König der italienischen Oper, komponiert keine demütige Liturgie. Er entfesselt ein existenzielles Drama über Angst, Schuld, Hoffnung und Vergänglichkeit. Dieses Werk bittet nicht leise um Frieden – es ringt, schreit und fleht um Erlösung.
Schon kurz nach der Uraufführung formiert sich heftige Kritik. Der Dirigent Hans von Bülow spottet über Verdis «Oper im Kirchengewand». Unfreiwillig beschreibt er damit jedoch präzise die Radikalität dieser Musik. Verdi nutzt die gesamte Kraft des Musiktheaters, die er über Jahrzehnte auf den Opernbühnen Europas entwickelt hat. Er komponiert nicht für ein jenseitiges Dogma, sondern für den Menschen. Fühlend, leidend, zweifelnd. Das Requiem wird zu einem gewaltigen Musikdrama, in dem Orchester, Chor und Solist:innen zu Trägern menschlicher Existenz werden.
Das Herzstück ist das Dies irae. Wenn Verdi den Tag des Zorns heraufbeschwört, bricht das Chaos mit voller Wucht herein. Vier Generalpausen reißen Abgründe in die Stille, bevor das gesamte Orchester explodiert. Die Große Trommel schlägt unerbittlich – wie ein Klopfen aus der Unterwelt. Der Chor treibt die Schreie der Verdammten durch den Raum, während die Streicher in Abwärtsfiguren die Musik immer weiter in die Tiefe ziehen.
Verdi belässt es jedoch nicht bei diesem orchestralen Fegefeuer. Aus der Ferne antworten die Trompeten im Tuba mirum. Sie rufen zum Jüngsten Gericht. Das Signal beginnt leise und schwillt an, bis ein gewaltiger Blechbläsersatz die Apokalypse greifbar macht. Hier zeigt sich der Theaterpraktiker: Verdi nutzt akustische Spezialeffekte und schafft einen Klangraum, der weit über die Grenzen des Konzertsaals hinausgeht. Er komponiert nicht nur Musik. Er inszeniert den Raum selbst.
Inmitten dieser orchestralen Naturgewalten stehen die vier Solostimmen, die quasi zu Opernfiguren werden. Sie sind keine unpersönlichen Verkünder göttlicher Wahrheiten, sondern Individuen aus Fleisch und Blut, die um Erlösung und ihr Seelenheil kämpfen. Der Bass verfällt im Mors stupebit in ein fassungsloses, fast tonloses Flüstern, als selbst der Tod vor dem göttlichen Richterstuhl verstummt. Das Mezzosopran-Solo klagt im Liber scriptus mit dunklem Timbre die Sünden der Menschheit an, während der Chor im Hintergrund wie ein unheimliches Echo immer wieder das bedrohliche Dies irae murmelt.
Im Ingemisco bekommt die Reue eine menschliche Stimme. Die Melodie steigt immer weiter aufwärts, getragen von der Hoffnung auf Vergebung. Im Lacrimosa scheint die Musik plötzlich stillzustehen. Das klagende Thema, das Verdi ursprünglich für seine Oper Don Carlo vorgesehen hatte, entfaltet hier eine universelle Trauer. Die Stimmen seufzen, brechen ab und finden immer wieder neu zusammen. Die Musik wird zur gemeinsamen Klage über Vergänglichkeit und Verlust. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Liturgie und Musiktheater endgültig.
Die Entstehungsgeschichte ist eng mit Verdis Biografie und der politischen Situation Italiens verknüpft. Das Requiem steht zugleich im Zeichen zweier zentraler Figuren der italienischen Kultur-geschichte. Der erste Anstoß erfolgt bereits 1868 nach dem Tod von Gioachino Rossini. Verdi schlägt vor, dass die bedeutendsten Komponisten des Landes gemeinsam eine Totenmesse für Rossini schreiben sollen. Das Projekt scheitert an organisatorischen Konflikten und Rivalitäten. Nur Verdis eigener Beitrag, das abschließende Libera me, bleibt erhalten.
Der entscheidende Wendepunkt folgt im Mai 1873, als der Nationaldichter Alessandro Manzoni stirbt. Manzoni ist für Verdi eine moralische Instanz und eine Leitfigur des Risorgimento, der italienischen Einigungsbewegung. Sein Tod erschüttert den Komponisten zutiefst. Verdi beschließt, die Totenmesse nun im Alleingang zu vollenden, um Manzoni ein unvergängliches Monument zu setzen. Er integriert das bereits existierende Libera me und baut darum das gesamte Requiem auf. So wird dieses zugleich zu einem stillen Denkmal des Risorgimento und eines kulturell geeinten Italiens.
Das Werk endet nicht in friedlicher Verklärung. Im Libera me rückt der Sopran in den Mittelpunkt. Das Gebet ertönt zunächst im Sprechgesang, fast atemlos vor Angst. Noch einmal bricht das Dies irae herein. Doch das eigentliche Genie Verdis zeigt sich im letzten Abschnitt. In der großen Chorfuge kämpfen die Stimmen gegen Verdammnis und Vergessen. Der Sopran schraubt sich mit einem gleißenden, dreifachen Forte über Chor und Orchester hinweg. Am Ende verklingt das Werk nicht im Triumph. Die Musik zieht sich zurück. Der Chor und die Solistin flüstern nur noch die Worte Libera me. Es bleibt ein offenes Ende. Keine Gewissheit. Nur Stille.
Warum fasziniert dieses Werk bis heute, weit über die Grenzen von Konfessionen und Religionen hinweg? Die Antwort liegt in Verdis Blick auf den Menschen. Verdi ist kein gläubiger Kirchgänger, im Gegenteil. Seine Lebensgefährtin Giuseppina Strepponi beschreibt ihn oft als Zweifler oder Agnostiker. Und genau aus diesem Zweifel speist sich die enorme Kraft der Musik. Verdi komponiert das Requiem nicht, um Gott zu preisen, sondern um dem Menschen in seiner extremsten Grenzsituation eine Stimme zu geben.
Verdis Requiem ist keine konzertante Messe. Es ist Musiktheater im Ausnahmezustand. Die Partitur verlangt von allen Beteiligten äußerste Präzision, Kraft und emotionale Offenheit. Die Solist:innen wechseln zwischen opernhafter Ausdrucksgewalt und fast körperloser Zerbrechlichkeit. Das Orchester muss innerhalb weniger Augenblicke von eruptiver Klangwucht zu kammermusikalischer Transparenz finden. Der Chor wiederum steht nicht außerhalb des Geschehens, sondern wird selbst zur Stimme einer Menschheit, die zweifelt, hofft, fürchtet und betet.
Gerade darin liegt die bis heute ungebrochene Wirkung. Verdi komponiert keine Musik der Gewissheiten. Er schreibt über Angst, Schuld, Hoffnung und die Sehnsucht nach Erlösung – nicht als religiöses Dogma, sondern als menschliche Erfahrung.
Wenn am Ende die letzten Worte des Libera me verklingen und die Musik in die Stille zurücksinkt, bleibt keine triumphale Antwort. Nur der Mensch – fühlend, fragend, verletzlich. Und die Ahnung, dass große Kunst dort beginnt, wo einfache Gewissheiten enden.
Markus Tatzig
Abschied
«Nach zwölf intensiven, erfüllten und zutiefst bewegenden Jahren als Generalmusikdirektor in Bremerhaven stehe ich vor meinem letzten Philharmonischen Konzert. Für diesen Abschied gibt es für mich kein Werk, das kraftvoller, wahrhaftiger und existenzieller sein könnte als das Requiem von Giuseppe Verdi. Es ist kein klassisches, distanziertes Sakralwerk – es ist ein tiefgründiges und humanistisches Drama über die Vergänglichkeit, das uns Musikern und dem Publikum alles abverlangt. Es ist ein Bekenntnis zum Leben im Angesicht des Todes, und genau diese emotionale Radikalität spiegelt für mich die Essenz dessen wider, was wir in den vergangenen zwölf Jahren hier gemeinsam gesucht und gefunden haben: Musik, die unter die Haut geht und keine Kompromisse macht.
Wenn ich am Pult stehe und das weltberühmte Dies irae losbricht, ist das ein Moment, der mich jedes Mal aufs Neue physisch und emotional erschüttert. Wenn die Große Trommel wie das unerbittliche Schicksal zuschlägt, die Trompeten schmettern und der Chor die nackte Existenzangst in Musik übersetzt, dann blickt man vom Dirigentenpult aus direkt in eine musikalische Version von Dantes Inferno. In diesem Moment muss die Kraft und Energie des Klangs wie eine Naturgewalt den Konzertsaal fluten. Man dirigiert hier nicht mehr nur Noten, man steuert einen emotionalen Hurrikan. Dass das Philharmonische Orchester Bremerhaven diese emotionale und klangliche Wucht geradezu idealtypisch umzusetzen versteht, hat mich über ein Jahrzehnt lang sehr stolz gemacht.
Und doch ist es für mich nicht der monumentale Donner, der dieses Werk zum perfekten Abschluss meiner Zeit in dieser Stadt macht. Es ist das, was danach kommt. Wenn nach all dem orchestralen und vokalen Ringen das Libera me im absoluten, hauchdünnen Pianissimo in die Stille des Saales verklingt, passiert am Pult etwas Magisches. In diesem Augenblick des Erlöschens, wenn die Musik verstummt und der Ton langsam im Raum verweht, fällt für mich der Vorhang über ein ganzes Lebenskapitel.
Was in dieser finalen Stille bleibt, ist keine Trauer über das Ende. Es ist eine tief empfundene Dankbarkeit. Dankbarkeit für dieses großartige Orchester und das Team, das jeden Weg mit mir gegangen ist und vor allem für Sie – unser treues Publikum in Bremerhaven, das uns über all die Jahre durch alle Höhen und Tiefen getragen hat. Dieses kollektive Innehalten am Ende des Requiems ist für mich der schönste, friedvollste und würdigste Schlusspunkt, den ich mir für meinen Abschied hätte wünschen können. Die Musik verhallt, aber der Nachklang dieser gemeinsamen Jahre bleibt.»
Marc Niemann über das 8. Sinfoniekonzert «Abschied»
Marc Niemann
Dirigent
Marc Niemann ist seit 2014 Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven. Seitdem hat er das Angebot systematisch ausgebaut und durch innovative Konzertformate neue Publikumsschichten erschlossen, was 2017 zur Aufnahme des Bremerhavener Klangkörpers in das Förderprogramm Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland der Bundesregierung führte. 2018 wurde Niemann von der Zeitschrift Opernwelt als Dirigent des Jahres nominiert. Seine Diskografie umfasst, neben der von der Presse hochgelobten zyklischen Einspielung aller Beethoven-Sinfonien, zeitgenössische Werke und die Einspielung der 3. und 6. Sinfonie Emilie Mayers, die 2022 für den internationalen Kritikerpreis ICMA-Award nominiert war. Jüngst wurde Niemann für den OPUS Klassik als Dirigent des Jahres und die Mayer-CD als Sinfonische Einspielung des Jahres nominiert. Er steht als Gastdirigent am Pult zahlreicher Orchester und Festivals im In- und Ausland, war 2022 direttore musicale des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano und engagiert sich auch kulturpolitisch als Vorsitzender des Landesmusikrates Bremen. Seit 2025 ist Marc Niemann Intendant und Geschäftsführer des Sendesaals Bremen.
Signe Heiberg
Sopran
Signe Heiberg studierte an der Royal Danish Academy of Music in Kopenhagen und später an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Auf verschiedenen Bühnen und Festivals im In- und Ausland ist Heiberg ein gern gesehener Gast. So sang sie u. a. an der Oper Frankfurt, an der Deutschen Oper am Rhein sowie am Landestheater Linz. Gastengagements führten sie auch zu den Festspielen der Schweizer Schlossoper Haldenstein, zu den Eutiner Festspielen und nach Österreich. Dort debütierte sie beim 30. Jubiläum der Herbsttage Blindenmarkt als Rosalinde in Die Fledermaus. Von 2021/2022 bis 2023/2024 war sie Ensemblemitglied am Stadttheater Bremerhaven. Seit der Spielzeit 2024/2025 gehört Signe Heiberg zum Ensemble des Theaters und Orchesters Heidelberg, wo sie Erfolge feierte u. a. als Lady Macbeth und Leonore in Beethovens Fidelio. Ihr Repertoire umfasst Partien wie Amelia in Un ballo in maschera, Sieglinde in Die Walküre, Giulietta in Hoffmanns Erzählungen, Die Feldmarschallin in Der Rosenkavalier, Rusalka und Jenůfa. Bei der Lauritz Melchior International Singing Competition 2024 gewann Heiberg den 2. Preis und den Publikumspreis.
Dorothea Spilger
Mezzosopran
Dorothea Spilger studierte an der Hochschule für Musik und Theater München bei Fenna Kügel-Seifried. Bereits während des Studiums debütierte sie an der Opéra National de Lyon. Wichtige Gastengagements führten sie u. a. an das Gärtnerplatztheater München, Nationaltheater Prag, die Danish National Opera, zu den Tiroler Festspielen Erl, zum Wexford Opera Festival sowie an die Mailänder Scala, wo sie als Hänsel (Hänsel und Gretel) und unter Fabio Luisi im Weihnachtsoratorium zu hören war. Nach Stationen am Theater Erfurt und dem Staatstheater Braunschweig wurde sie zur Spielzeit 2022/2023 Ensemblemitglied am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Dort feierte sie Erfolge in Partien wie Carmen, Amneris (Aida) und Fremde Fürstin (Rusalka). Ihr Repertoire umfasst zudem Rollen wie Dorabella (Così fan tutte), Sesto (La clemenza di Tito) und Fenena (Nabucco). In der aktuellen Spielzeit debütierte sie als Ortrud (Lohengrin) in Karlsruhe sowie als Principessa Eboli (Don Carlo) am Pfalztheater Kaiserslautern und an der Finnischen Nationaloper Helsinki. Dorothea Spilger ist Preisträgerin des Johannes-Brahms- und des Antonín-Dvořák-Wettbewerbs.
Weilian Wang
Tenor
Der Tenor Weilian Wang wurde in Yúnnán (China) geboren. Er studierte am China Conservatory of Music in Peking, im Rahmen eines Austauschprogramms am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium sowie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wo er seinen Master absolvierte. Erste solistische Auftritte führten ihn mit der Neuen Philharmonie Hamburg in die Laeiszhalle sowie für Mozarts Requiem nach Berlin. Gastengagements brachten ihn als Gordon (Wallenstein) an das Theater Osnabrück, als Alfredo (La traviata) an das Nationaltheater Belgrad sowie an das Landestheater Passau und das Theater Neustrelitz. Seit der Spielzeit 2025/2026 gehört Weilian Wang zum Solisten-Ensemble des Stadttheaters Bremerhaven. Hier war er in der aktuellen Saison u. a. als Prinz in Die Liebe zu drei Orangen, Tebaldo in I Capuleti e i Montecchi und als Alfredo in La traviata zu erleben. Sein Repertoire umfasst zudem Partien wie Rodolfo (La Bohème), Duca (Rigoletto), Menelaus (Die schöne Helena) und Mime (Das Rheingold). Wang ist Gewinner des Chinese Golden Bell Award sowie Preisträger und Finalist des Dvořák-Wettbewerbs in Karlsbad, des Hans-Gabor-Belvedere-Wettbewerbs und der Éva Marton Competition.
Volodymyr Morozov
Bass
Der ukrainische Bass Volodymyr Morozov hat sich in kurzer Zeit als kraftvolle und vielseitige Persönlichkeit auf den europäischen Opernbühnen etabliert. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Opernstudio der Tschaikowsky-Musikakademie in Kiew bei Anatoly Kocherga und Taras Shtonda. Seine besondere Affinität zum italienischen Repertoire führte ihn an die Accademia del Maggio Musicale Fiorentino. Dort sang er Partien wie Zuniga (Carmen) sowie Dr. Grenvil (La traviata) und arbeitete unter der Leitung von Zubin Mehta und Daniele Gatti sowie mit Künstlern wie Plácido Domingo zusammen. Gastengagements führten ihn als Titelpartie in Attila nach Busseto, als Alvise Badoero (La Gioconda) nach Cagliari sowie als Baron Ochs (Der Rosenkavalier) nach Frankreich. Seit der Spielzeit 2025/2026 ist er Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, wo er unter anderem als Ramfis (Aida) und Don Basilio (Il barbiere di Siviglia) zu erleben war. Heute lebt der Sänger in Berlin. Zukünftige Projekte führen ihn als Cesare Angelotti (Tosca) zur Oper im Steinbruch St. Margarethen sowie als Ashby (La fanciulla del West) zum Puccini Opera Festival.
Giuseppe Verdi
Messa da Requiem
Gesangstext
I. REQUIEM
Requiem aeternam dona eis, Domine, Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,
et lux perpetua luceat eis. Und ewiges Licht leuchte ihnen.
Te decet hymnus, Deus, in Sion, Dir gebührt Lobgesang, Gott, in Zion,
et tibi reddetur votum in Jerusalem. Dir erfülle man Gelübde in Jerusalem.
Exaudi orationem meam, Erhöre mein Gebet, Herr
Ad te omnis caro veniet. Zu dir kommt alles Fleisch.
Requiem aeternam dona eis, Domine, Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,
et lux perpetua luceat eis. Und ewiges Licht leuchte ihnen.
Kyrie eleison. Herr, erbarme dich!
Christe eleison. Christus, erbarme dich!
II. SEQUENTIA
Dies irae
Dies irae, dies illa Tag der Rache, Tag der Sünden,
Solvet saeclum in favilla. Wird das Weltall sich entzünden,
Teste David cum Sibylla. Wie Sibyll und David künden.
Quantus tremor est futurus, Welch’ ein Graus wird sein und Zagen,
Quando judex est venturus, Wenn der Richter kommt, mit Fragen
Cuncta stricte discussurus. Streng zu prüfen alle Klagen!
Tuba mirum
Tuba mirum spargens sonum Laut wird die Posaune klingen,
Per sepulchra regionem, Durch der Erde Gräber dringen,
Coget omnes ante thronum. Alle hin zum Throne zwingen.
Mors stupebit et natura Schaudernd sehen Tod und Leben
Cum resurget creatura, Sich die Kreatur erheben,
Judicanti responsura. Rechenschaft dem Herrn zu geben.
Liber scriptus
Liber scriptus proferetur, Und ein Buch wird aufgeschlagen,
In quo totum continetur, Treu darin ist eingetragen
Unde mundus judicetur. Jede Schuld aus Erdentagen.
Judex ergo cum sedebit, Sitzt der Richter dann zu richten,
Quidquid latet apparebit, Wird sich das Verborg’ne lichten;
Nil inultum remanebit. Nichts kann vor der Strafe flüchten.
Quid sum miser
Quid sum miser tunc dicturus? Weh! Was werd’ ich Armer sagen?
Quem patronum rogaturus, Welchen Anwalt mir erfragen,
Cum vix justus sit securus? Wenn Gerechte selbst verzagen?
Rex tremendae
Rex tremendae majestatis, König schrecklicher Gewalten,
Qui salvandos salvas gratis, Frei ist deiner Gnade Schalten:
Salva me, fons pietatis. Gnadenquell, lass Gnade walten!
Recordare
Recordare, Jesu pie, Milder Jesus, wollst erwägen,
Quod cum causa tuae viae, Dass du kamest meinetwegen,
Ne me perdas ille die. Schleudre mir nicht Fluch entgegen.
Quaerens me sedisti lassus, Bist mich suchend müd gegangen,
Redemisti crucem passus, Mir zum Heil am Kreuz gehangen,
Tantus labor non sit cassus. Mög’ dies Müh’n zum Ziel gelangen.
Juste judex ultionis, Richter du gerechter Rache,
Donum fac remissionis Nachsicht üb’ in meiner Sache,
Ante diem rationis. Eh ich zum Gericht erwache.
Ingemisco
Ingemisco tanquam reus, Seufzend steh ich schuldbefangen,
Culpa rubet vultus meus, Schamrot glühen meine Wangen,
Supplicanti parce, Deus. Lass mein Bitten Gnad erlangen.
Qui Mariam absolvisti, Hast vergeben einst Marien,
Et latronem exaudisti, Hast dem Schächer dann verziehen,
Mihi quoque spem dedisti. Hast auch Hoffnung mir verliehen.
Preces meae non sunt dignae, Wenig gilt vor dir mein Flehen;
Sed tu, bonus, fac benigne, Doch aus Gnade lass geschehen,
Ne perenni cremer igne. Dass ich mög’ der Höll’ entgehen.
Inter oves locum praesta, Bei den Schafen gib mir Weide,
Et ab hoedis me sequestra, Von der Böcke Schar mich scheide,
Statuens in parte dextra. Stell mich auf die rechte Seite.
Confutatis
Confutatis maledictis, Wird die Hölle ohne Schonung
Flammis acribus addictis, Den Verdammten zur Belohnung,
Voca me cum benedictis. Ruf mich zu der Sel’gen Wohnung.
Oro supplex et aclinis, Schuldgebeugt zu dir ich schreie,
Cor contritum quasi cinis, Tief zerknirscht in Herzenstreue,
Gere curam mei finis. Sel’ges Ende mir verleihe.
Lacrimosa
Lacrimosa dies illa Tag der Tränen, Tag der Wehen,
Qua resurget ex favilla Da vom Grabe wird erstehen
Judicandus homo reus. Zum Gericht der Mensch voll Sünden!
Huic ergo parce Deus, Lass ihn, Gott, Erbarmen finden,
Pie Jesu Domine, Milder Jesus, Herrscher du,
Dona eis requiem! Amen. Schenk den Toten ew’ge Ruh. Amen.
III. OFFERTORIO
Domine, Jesu Christe
Domine Jesu Christe, rex gloriae, Herr Jesus Christus, König der Ehren,
libera animas omnium fedelilum befreie die Seelen der Abgeschiedenen
defunctorum de poenis inferni von den Strafen der Hölle
et de profundo lacu. und von dem tiefem Abgrund.
Libera eas de ore leonis, Errette sie aus dem Rachen des Löwen,
ne absorbeat eas tartarus, dass die Hölle sie nicht verschlinge
ne cadant in obscurum: und sie nicht fallen in die Tiefe:
Seg signifer sanctus Michael Sondern das Banner des Heiligen Michael
repraesentet eas in lucem sanctam, sie begleite zum ewigen Lichte,
Quam olim Abrahae promisisti, welches du verheißen hast Abraham
et semini eius. und seinen Nachkommen auf ewig.
Hostias
Hostias et preces tibi, Domine, Opfer und Gebete bringen wir dir, Herr,
laudis offerimus. lobsingend dar.
Tu suscipe pro animabus illis, Nimm sie gnädig an für jene Seelen,
quarum hodie memoriam facimus: derer wir heute gedenken:
Fac eas, Domine, de morte Lass sie, o Herr, vom Tod
transire ad vitam, zum Leben übergehen,
Quam olim Abrahae promisisti, welches du verheißen hast Abraham
et semini eius. und seinen Nachkommen auf ewig.
IV. SANCTUS
Sanctus, sanctus, sanctus Heilig, heilig, heilig ist Gott,
Dominus Deus Sabaoth. der Herr aller Mächte und Gewalten.
Pleni sunt coeli et terra Erfüllt sind Himmel und Erde
gloria tua. von deiner Herrlichkeit!
Osanna in excelsis. Hosianna in der Höhe!
Benedictus qui venit in nomine Domini. Gelobt sei, der kommt im Namen des Herrn.
Osanna in excelsis. Hosianna in der Höhe!
V. AGNUS DEI
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, Lamm Gottes, du nimmst hinweg
dona eis requiem. die Sünde der Welt, schenke ihnen Ruhe.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, Lamm Gottes, du nimmst hinweg
dona eis requiem sempiternam. die Sünde der Welt, schenke ihnen ewige Ruhe.
VI. LUX AETERNA
Lux aeterna luceat eis, Domine, Ewiges Licht leuchte ihnen, Herr,
Cum sanctis tuis in aeternum, mit allen deinen Heiligen,
quia pius es. denn du bist gut.
Requiem aeternam dona eis, Domine, Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,
et lux aeterna luceat eis. und ewiges Licht leuchte ihnen.
VII. LIBERA ME
Libera me, Domine, Errette mich, Herr,
de morte aeterna, vom ewigen Tod,
in die ille tremenda, an jenem furchtbaren Tag,
quando coeli movendi sunt et terra wenn Himmel und Erde erzittern,
dum veneris wenn du dann kommst,
judicare saeculum per ignem. die Welt zu richten im Feuer.
Tremens factus sum ego et timeo: Zitternd muss ich stehen und in Ängsten,
dum discussio wenn die Rechenschaft naht
venerit atque ventura ira. und der drohende Zorn.
Dies irae, dies illa, Tag des Zornes, Tag der Schrecken,
calamitatis et miseriae, voll Weh und Jammer,
dies magna et amara valde. bitter über alle Maßen.
Requiem aeternam dona eis, Domine, Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,
et lux perpetua luceat eis. Und ewiges Licht leuchte ihnen.
Impressum
HERAUSGEBER Philharmonisches Orchester Bremerhaven
SPIELZEIT 2025/2026, Nr. 27
GENERALMUSIKDIREKTOR Marc Niemann
VERWALTUNGSDIREKTORIN Franziska Grevesmühl-von Marcard
REDAKTION Markus Tatzig
SATZ Nathalie Langmaack
QUELLEN
Budden, Julian: The Operas of Verdi, Vol. 3: From Don Carlos to Falstaff. Oxford 1981.
Gerhard, Anselm & Uwe Schweikert (Hrsg.): Verdi-Handbuch. 2. überarbeitete Auf lage. Stuttgart, Kassel 2013.
Rizzuti, Alberto (Hrsg.): The Cambridge Companion to Verdi. Cambridge 2004.
AUFFÜHRUNGSRECHTE
Messa da Requiem: C. F. Peters, Leipzig, Frankfurt
