Im Fokus des Bildes stehen drei Personen, mit dem Rücken zu den Zuschauenden, vor einem erhobenen Absatz. Weiter hinten im Bild sieht man drei Personen, welche ebenfalls mit dem Rücken zur Kamera stehen.

Tanzrausch

Tanzabend von Kinsun Chan, Rachelle Anaïs Scott und Alfonso Palencia 

PREMIERE 10. Oktober 2026 // Großes Haus

VORSTELLUNGSDAUER: ca. 2 Stunden // zwei Pausen nach jeweils ca. 25 Minuten

Einführung jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Oberen Foyer

Vorstellungstermine

18.10.2026 um 15:00 Uhr Karten
25.10.2026 um 18:00 Uhr Karten
30.10.2026 um 19:30 Uhr Karten
06.11.2026 um 19:30 Uhr Karten
28.11.2026 um 19:30 Uhr Karten
17.12.2026 um 19:30 Uhr Karten
17.01.2027 um 18:00 Uhr Vorverkauf ab: 03.11.2026, 12:00 Uhr
22.01.2027 um 19:30 Uhr Vorverkauf ab: 03.11.2026, 12:00 Uhr
31.01.2027 um 15:00 Uhr Vorverkauf ab: 03.11.2026, 12:00 Uhr

Rausch ist ein Zustand erhöhter Wahrnehmung: Der Rhythmus übernimmt, die Körper reagieren, Energie setzt sich in Bewegung. Tanzrausch versammelt drei unverwechselbare choreografische Handschriften der Gäste Kinsun Chan und Rachelle Anaïs Scott sowie des Bremerhavener Ballettdirektors und Chefchoreografen Alfonso Palencia. Präzision trifft auf Fluss, Kontrolle auf Risiko, klare Setzungen auf offene Experimente. Der Abend lebt von Kontrasten, Spannung und physischer Präsenz – roh, sinnlich, elektrisiert – und zeigt zeitgenössischen Tanz als unmittelbare, überraschende und zugängliche Körperkunst.

CHOREOGRAFIEN Kinsun Chan, Rachelle Anaïs Scott, Alfonso Palencia
BÜHNE & KOSTÜME Kinsun Chan, Rachelle Anaïs Scott, Alfonso Palencia, Louise Flanagan
LICHT Daniel Lang

STORM
MIT Melissa Festa, Rosana Gutiérrez Ramirez, Kiko Noguchi, Melissa Panetta, Aina Joaniquet, Ofelia Roch, Yuria Takahashi, Adrián Sánchez, Pedro Marques, Javier Zotano, Marco Marongiu, Ming-Hung Weng

IN THIS QUIET 
MIT Melissa Festa, Rosana Gutiérrez Ramirez, Melissa Panetta, Aina Joaniquet, Adrián Sánchez, Pedro Marques, Javier Zotano, Marco Marongiu, Ming-Hung Weng

RUSH ROJO 
MIT Melissa Festa, Rosana Gutiérrez Ramirez, Kiko Noguchi, Melissa Panetta, Aina Joaniquet, Yuria Takahashi, Ofelia Roch, Adrián Sánchez, Pedro Marques, Javier Zotano, Marco Marongiu, Ming-Hung Weng

Ballettcompagnie des Stadttheaters Bremerhaven 
Statisterie des Stadttheaters Bremerhaven

CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Bobby M. Briscoe
EINSTUDIERUNG STORM Juliette Rahon
DRAMATURGIE Alfonso Palencia, Markus Tatzig
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
THEATERPÄDAGOGIK Katharina Dürr, Steven Wind

Tanzrausch

Tanzabend von Kinsun Chan, Rachelle Anaïs Scott und Alfonso Palencia

TANZRAUSCH

Wir alle kennen das Gefühl des Rausches. Die Wahrnehmung verschiebt sich, Zeit verliert ihr Maß, ein Rhythmus erfasst den Körper. Gedanken treten zurück, Grenzen werden durchlässig, pure Energie übernimmt. Doch was geschieht, wenn Bewegungen eigene Dynamiken entwickeln, Impulse überspringen und Energien unaufhaltsam wachsen?

Tanzrausch vereint drei zeitgenössische Choreografien, die diese Zustände erforschen. Den Impuls setzt Kinsun Chans Storm, in dem Bewegungen zur Naturgewalt, zum Angriff und zum Ausdruck aufbrechender Emotionen werden. Das Danach beleuchtet Rachelle Anaïs Scotts In This Quiet. Dieser Teil richtet den Blick auf Begegnungen, die sich nicht einfach auflösen, und auf das, was Menschen im Stillen voneinander in sich tragen. In den finalen Ausbruch mündet Alfonso Palencias Rush Rojo, wenn eine kollektive Energie durch zwölf Körper jagt und sich in Rhythmus und Leidenschaft zuspitzt. Musik greift dabei unmittelbar in das Geschehen ein: Sie verändert Räume und treibt die Körper voran. Drei choreografische Handschriften und drei Zustände des Rausches. Der Impuls. Das Danach. Der Ausbruch.
 

STORM

CHOREOGRAFIE VON KINSUN CHAN

Ob als Wetterfront, militärischer Angriff oder innerer Aufruhr: Ein Sturm bricht mit radikaler Kraft herein. Diese unterschiedlichen Bedeutungen nimmt Kinsun Chan zum Ausgangspunkt von Storm. Das Stück erzählt keine Geschichte über ein Unwetter. Naturgewalt, militärische Präzision und menschliche Emotionen gehen darin ineinander über. Es untersucht, wie Kräfte auf Körper treffen, sie erfassen und sich zwischen ihnen ausbreiten.

Ausgangspunkt der Choreografie ist Michael Gordons Komposition Weather One für Streicher, die von chaotischen Wettersystemen inspiriert ist. Musikalische Ideen aus mehreren Jahrhunderten prallen hier wie in einem Wirbelsturm aufeinander. 
Besonders Vivaldis motorische Streicherfiguren und das Prinzip des Kanons prägen das Stück. Eine melodische Bewegung wird aufgenommen und weitergetragen, bis sich Klarheit in einen dichten, flirrenden Klang verwandelt. Chan überträgt dieses Prinzip auf das Ensemble: Jede Bewegung wird weitergegeben und verändert. Körperliche Impulse erfassen die Gruppe und kehren in neuer Form zurück. Einzelne Körper behaupten sich gegen das Kollektiv, werden fortgerissen oder treiben es voran. Aus Ordnung entsteht Unruhe, aus Bewegung ein wachsender Sog.

«Im Zentrum von Storm steht, was wir selbst im Chaos schützen müssen.»
Kinsun Chan

Auf dem tiefschwarzen Tanzboden werden die Tänzer:innen zum Schauplatz des Sturms. Gehüllt in lange schwarze Mäntel formieren sie sich als anonyme Masse. Ihre wechselnden Formationen führen von den turbulenten Mustern eines Unwetters zur scharfen Geometrie eines militärischen Angriffs. Inmitten dieser Reibung tritt ein Kind hervor. Es steht für das Kostbare und Schutzbedürftige, das selbst im Chaos bewahrt werden muss. Ein gelber Ballon setzt einen fragilen Farbakzent in der Düsternis. Obwohl das Kind den bedrohlichen Kräften ausgesetzt ist, behauptet es sich und wird zum Zeichen für Hoffnung, Widerstandskraft und Menschlichkeit.

Der schweizerisch-kanadische Choreograf und Designer Kinsun Chan fand über Kunst und Grafikdesign zum Tanz. Nach Stationen in Nordamerika tanzte er beim Ballett Zürich und beim Ballett Basel in Werken von Choreografen wie Jiří Kylián und William Forsythe. Eigene Arbeiten entstanden u. a. für die Noverre-Gesellschaft des Stuttgarter Balletts, das Singapore Ballet und das Hong Kong Ballet. Nach der Leitung der Tanzcompagnie am Theater St. Gallen ist er seit der Spielzeit 2024/2025 Ballettdirektor des Semperoper Balletts.

In Storm verbinden sich Chans Gespür für räumliche Komposition und seine präzise musikalische Arbeit zu einem körperlichen Kräftespiel. Der Sturm wird nicht abgebildet. Er entsteht aus den Tänzer:innen selbst. Der Impuls.

IN THIS QUIET

CHOREOGRAFIE VON RACHELLE ANAÏS SCOTT

Etwas ist geschehen, doch was genau, bleibt offen. Sicher ist nur: Danach ist nichts mehr wie zuvor. Rachelle Anaïs Scotts In This Quiet beginnt im Moment dieser Verschiebung und sucht nach den Spuren, die ein Ereignis in Beziehungen hinterlässt. Wie begegnen wir einander, wenn Vertrautes seine Selbstverständlichkeit verliert? Was können wir noch geben, was müssen wir loslassen?

«In This Quiet fragt, was bleibt, wenn sich Nähe verändert.»
Rachelle Anaïs Scott

Im Zentrum stehen Begegnungen, die sich nicht einfach auflösen. Menschen entfernen sich und bleiben dennoch verbunden. Blicke und Berührungen tragen das Wissen um Vergangenes in sich. Scott interessiert sich für diesen Schwebezustand: für eine Intimität, die nicht mehr dieselbe ist, und für Verbindungen, die weder vollständig fortbestehen noch endgültig verschwinden. Die Musik öffnet dafür einen vielschichtigen Klangraum: Kompositionen von Ezio Bosso, Gustavo Santaolalla, Jóhann Jóhannsson und Yair Elazar Glotman treffen auf eine Eigenkomposition der Choreografin. Akustische und elektronische Texturen überlagern sich, beschreiben keine eindeutigen Gefühle, sondern schaffen Zwischenräume, in denen Erinnerung, Verlust und neue Nähe nebeneinander existieren.

Die französisch-amerikanische Choreografin Rachelle Anaïs Scott wurde in New York u. a. an der Juilliard School ausgebildet. Sie tanzte beim Cedar Lake Contemporary Ballet, als Solistin in Nürnberg und langjährig am Theater Basel in Werken von Choreografen wie Hofesh Shechter, Sharon Eyal und Crystal Pite. Ihre eigenen Arbeiten beziehen auch Film und bildende Kunst ein. 2022 entstand eine Tanz- und Kunstkooperation mit dem Kunstmuseum Basel zur Ausstellung Picasso – El Greco. Jüngst kreierte sie für die Tanzcompagnien der Theater St. Gallen und Bern sowie 2026 für das Nederlands Dans Theater (NDT 2). Für ihre künstlerische Arbeit wurde Scott mit dem Princess Grace Award ausgezeichnet.

In This Quiet richtet den Blick auf Menschen, die von Ereignissen und voneinander verändert wurden und mit dem weiterleben müssen, was diese Veränderung sichtbar macht. Die Stille ist dabei kein leerer Raum, sondern der Moment, in dem das Gebliebene hervortritt: eine Erinnerung, eine Entfernung, eine Berührung. Das Danach.

RUSH ROJO

CHOREOGRAFIE VON ALFONSO PALENCIA

Rot steht für Hitze, Liebe und Gefahr. Alfonso Palencia verbindet diese Bedeutungen mit dem englischen Rush: einem Zustand von Dringlichkeit und Geschwindigkeit. Rush Rojo zeichnet den Weg einer Energie nach, die sich von ihrem ersten Aufflammen an unaufhaltsam steigert. Aus einzelnen Bewegungen entsteht ein kollektiver Strom, der Rhythmus und Leidenschaft bündelt.

«Rush Rojo handelt von Bewegung als Energie, von Energie als Emotion und von Emotion als einer Kraft, die sich nicht dauerhaft eindämmen lässt.»

Alfonso Palencia

Zwölf Tänzer:innen bilden einen Organismus, ohne ihre Indivi-dualität zu verlieren. Die Energie elektrisiert das Ensemble und wandert von Körper zu Körper. Gruppen splittern auf und formieren sich im ständigen Wechsel von Anziehung und Widerstand neu. 

Fünf Abschnitte treiben diese Entwicklung voran: Auf die erste gemeinsame Bewegung in The Collective Rush folgt mit The Transit Rush ein Zustand permanenter Passage. Im dritten Abschnitt, The Percussion Rush, übernimmt die Perkussion: Scharfe Akzente und abrupte Tempowechsel steigern die körperliche Intensität. Darauf folgt mit The Passion Rush ein von drei Paaren getragener Teil, in dem sich die Kraft in sinnliche Leidenschaft verwandelt, die in Abhängigkeit oder Konfrontation kippen kann. Im Finale, The Final Explosion Rush, beschleunigen sich die Muster und laufen im gemeinsamen Ausbruch zusammen.

Die Musik von Gustave Rudman, Max Richter, Bryce Dessner u. a. verbindet die fünf Teile zu einem fortlaufenden Spannungsbogen. Auch die Bedeutung der Farbe Rot wandelt sich: Was zunächst als Wärme und erwachende Energie erscheint, wird zu Begehren, Dringlichkeit und schließlich zur gesammelten Wucht.

Alfonso Palencia bringt für diese Arbeit seine breite künstlerische Erfahrung mit. Geboren in Valencia, ausgebildet u. a. in Cannes, San Francisco und Hamburg, war er Solist an bedeutenden Häusern wie dem Gärtnerplatztheater München, der Komischen Oper Berlin und dem Leipziger Ballett. Er tanzte zentrale Rollen in Werken u. a. von William Forsythe, Jiří Kylián, John Neumeier, Uwe Scholz und George Balanchine. Dies prägt seine Arbeit bis heute. Seit Beginn seiner choreografischen Laufbahn verbindet Palencia emotionale Direktheit mit struktureller Klarheit. Seine Werke bewegen sich zwischen zeitgenössischer und neoklassizistischer Sprache, getragen von einem Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen. Internationale Gastarbeiten und Auszeichnungen haben diese Handschrift geschärft.

In Rush Rojo verbindet Palencia emotionale Direktheit mit struktureller Klarheit. Rot wird zur Temperatur einer Bewegung, die keinen Stillstand kennt. Was sich immer weiter verdichtet, muss sich schließlich lösen. Der Ausbruch.

Markus Tatzig

impressum

HERAUSGEBER Stadttheater Bremerhaven
SPIELZEIT 2026/2027, Nr. 6
INTENDANT Lars Tietje
VERWALTUNGSDIREKTORIN Franziska Grevesmühl-von Marcard
REDAKTION Markus Tatzig
SATZ Nathalie Langmaack 

QUELLEN
Die Texte «Tanzrausch», «Storm», «In This Quiet» und «Rush Rojo» von Markus Tatzig sind Originalbeiträge für diesen Programmflyer.

Urheber:innen, die nicht erreicht werden konnten, werden zwecks nachträglicher Rechtsabgeltung, um Nachricht gebeten.

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Besetzung

Ein Mikrofon mit Popschutz.

Prolog

Kurzeinführung zum Stück

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Einleitung zum Stück als Audio-Datei

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Pressestimmen