ALLE WISSEN ETWAS ÜBER DIE TITANIC
Im Mai 2026 wagte sich eine Gruppe junger Menschen in ein Abenteuer: ein Stück über den Untergang der Titanic, das uns etwas über unser Leben heute in Bremerhaven erzählt. Schnell haben wir gemerkt, dass alle schon mal etwas von dem angeblich «unsinkbaren» Schiff gehört haben. Und so trugen die Mitwirkenden so langsam zusammen, was sie so wussten. Es zeigte sich, dass das erstaunlich viel war. Die Titanic und ihr Untergang sind Teil des kollektiven Gedächtnisses unserer Zeit. Wenn wir uns zusammentun zu einer Gruppe, einem Kollektiv, dann ist in dieser Gruppe eine Menge Wissen versammelt, das sich nutzen lässt.
DIE TITANIC ALS TEIL DER POPKULTUR?
Die Kombination aus menschlicher Selbstüberschätzung und Überheblichkeit und dem tragischen Tod von mehr als 1.500 Menschen macht die Geschichte der Titanic zu einer guten Grundlage für diverse Erzählungen. Gesellschaftliche Themen wie Arm und Reich, Grenzen von Technik, der Drang des Menschen, die Natur zu überwinden und sein Scheitern daran, und die vielen unterschiedlichen Gründe, auf das Schiff zu gehen sowie Heldentum und menschliches Versagen können alle in einer Geschichte um die Titanic verhandelt werden. So kam es, dass die Katastrophe weitererzählt wurde, weit hinaus über alles, was wir über sie schon wissen: in Romanen, Kinofilmen, im Musical, in der Wanderausstellung Titanic Experience, Popsongs und Internet-Memes.
WAS HAT BREMERHAVEN MIT DEM UNTERGANG DER TITANIC ZU TUN?
Tatsache ist: Bremerhaven hat wenig direkte historische Verbindung zur Titanic, aber die Stadt ist ein wichtiger maritimer Standort in Deutschland, der sich mit Themen wie Schifffahrt und Schiffskatastrophen auseinandersetzt. Das weiß in Bremerhaven wirklich jedes Kind. Für Ortsfremde zeigen das Historische Museum und das Deutsche Schifffahrtsmuseum den Stellenwert des Hafens auf. Aus dem laufen übrigens ein bis zwei Kreuzfahrtschiffe wöchentlich zu Vergnügungsreisen aus. Die Fahrt mit der Titanic war für viele Passagiere der ersten Klasse genau das: eine Luxusreise. Im Deutschen Auswandererhaus findet sich dann noch ein weiteres Thema, das die Titanic mit Bremerhaven gemeinsam hat: Migration. Ein großer Teil der zweiten Klasse-Passagiere und nahezu alle in der dritten Klasse waren auf der Titanic mit einem one-way-Ticket. Nach der Atlantiküberquerung planten sie, über New York ein neues Leben in Amerika zu beginnen. Die Sehnsucht nach einem anderen, besseren Leben und die Verheißung von Glück in der sogenannten Neuen Welt, wie Amerika genannt wurde, ließen viele Europäer über Bremerhaven auswandern. Schauen wir uns die strikte Trennung zwischen den drei Klassen auf der Titanic an, wird die Chancenungleichheit besonders erfahrbar. In Bremerhaven leben Menschen, die mit ebenfalls sehr unterschiedlichen Startchancen ins Leben gehen. Zwischen den Villen rund um die beiden Parks und den heruntergekommenen Straßenzügen im Goetheviertel oder dem sozialen Wohnungsbau in Wulsdorf liegen Welten.
67 SEKUNDEN
Ein Thema, das sich als roter Faden durch unser Stück zieht, ist das Handeln unter Zeitdruck. Zwischen dem Aufprall und dem Einleiten von Maßnahmen wie Notruf und Wendemanöver vergingen nur 67 Sekunden – höchstens, manche Quellen sprechen von noch weniger. Manche Menschen laufen zu Höchstform auf, wenn sie eine Deadline haben. Manche erstarren und können keinen klaren Gedanken mehr fassen. Einige werden zu Helden, wieder andere zu groß-artigen Teamspielern.
IMPRESSUM
Saison 2026/2027
Stadttheater Bremerhaven
Intendant: Lars Tietje
Redaktion: Bianca Sue Henne Grafik: KNOWN AS STUDIO
Satz: Nathalie Langmaack
