Heroes – David Bowies Berliner Jahre

Schauspiel-Revue mit Musik // Uraufführung

PREMIERE 28. März 2026 // Großes Haus

VORSTELLUNGSDAUER: ca. 1 Stunde, 45 Minuten 

Einführung jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Oberen Foyer

Vorstellungstermine

28.03.2026 um 19:30 Uhr KartenPremiere
02.04.2026 um 19:30 Uhr Karten
09.04.2026 um 19:30 Uhr Karten
19.04.2026 um 15:00 Uhr Karten
24.04.2026 um 19:30 Uhr Karten
03.05.2026 um 15:00 Uhr Karten
07.05.2026 um 19:30 Uhr Karten
09.05.2026 um 19:30 Uhr Karten
15.05.2026 um 19:30 Uhr Karten
22.05.2026 um 19:30 Uhr KartenZum Letzen Mal

Low, Heroes und Lodger – die Berlin-Trilogie: drei Alben, die die Popmusik bis heute prägen. David Bowie sucht 1976 nach Erfolg und Exzessen in Los Angeles einen Zufluchtsort, der Inspirationsquelle für neue Projekte sein und ihm Erholung von seiner Kokainsucht bringen soll. Er findet diesen Ort in Schöneberg, West-Berlin. Geprägt von seinem Mitbewohner Iggy Pop und dem Produzenten Brian Eno entstehen einzigartige Werke, die sich durch neuartige Klänge und elektronische Sounds auszeichnen und bis heute die Rock- und Popmusik beeinflussen.
We can be heroes. Just for one day – eine Hymne, die für Mut und Freiheit steht. Ein musikalischer Abend, der Bowies tiefen Fall, die Selbstbesinnung in Berlin und seine Wiederauferstehung feiert.

INSZENIERUNG Niklas Ritter
MUSIKALISCHE LEITUNG Jan-Hendrik Ehlers
BÜHNE & KOSTÜME Kerstin Narr
BÜHNE & LICHT Norman Plathe-Narr
DRAMATURGIE Justine Wiechmann

 

ENSEMBLE Marsha B Zimmermann, Leon Häder, Julia Lindhorst-Apfelthaler, Alexander Smirzitz, Henning Z Bäcker 

BAND Jan-Hendrik Ehlers (Keyboard), Maic Burkhardt (Gitarre), Olaf Satzer (Drums), Marco Priedöhl (Saxofon), Maria Rothfuchs (Bass)

 

REGIEASSISTENZ Florian Thiel
INSPIZIENZ Regina Wittmar
SOUFFLAGE Melia Holl

HEROES – DAVID BOWIES BERLINER JAHRE

Schauspiel-Revue mit Musik // Uraufführung

DAVID BOWIE – DIE BERLIN TRILOGIE

Nachdem David Bowie zu Beginn der 1970er Jahre als Ziggy Stardust zum internationalen Superstar aufstieg und in Los Angeles ein exzessives Rock’n’Roll-Leben voller Drogen und Eskapaden führte, beginnt 1976 für David Robert Jones – so sein bürgerlicher Name – ein neuer Abschnitt. Gemeinsam mit Iggy Pop zieht er in eine Wohngemeinschaft nach Schöneberg, ins damalige West-Berlin. Hier erfindet er sich neu.

Die Stadt wird für Bowie zu einem Ort des Rückzugs und der Neuorientierung. Weniger Drogen, mehr Bodenständigkeit prägen diese Jahre. Das raue, widersprüchliche West-Berlin und die Menschen, denen er hier begegnet – unter ihnen die Travestiekünstlerin Romy Haag – werden zu wichtigen Inspirationsquellen. In dieser Zeit entsteht die sogenannte Berlin-Trilogie: Low, Heroes und Lodger. Drei experimentelle Alben, geprägt von elektronischen Klängen, atmosphärischen Instrumentalstücken und Songs, die bis heute zu Bowies bekanntesten zählen – darunter Sound and Vision und die Hymne Heroes.

ZUR INSZENIERUNG

Die Inszenierung nähert sich dieser Berliner Phase in Form kleiner Episoden. Inspiriert von Interviews, Dokumentationen, Filmen und Künstler lassen sie Fragmente aus Bowies Leben aufscheinen und spiegeln unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit.
Zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt sich Bowie durch das schroffe, ehrliche West-Berlin der 1970er Jahre. Diese Zeit seines Lebens wird oft mit einem kalten Entzug verglichen – einem Zustand zwischen Erschöpfung, Neuorientierung und künstlerischem Aufbruch.
Bowie beschrieb sich selbst einmal als Sammler: einen Menschen, der Persönlichkeiten, Eindrücke und Ideen aufnimmt und in sich aufsaugt. Genau das geschieht während seiner Streifzüge durch die Tage und Nächte der Stadt, die damals auch als Heroinhauptstadt galt. An gewöhnlichen wie ungewöhnlichen Orten begegnet er Menschen mit Geschichten – Begegnungen, die Teil seines künstlerischen Kosmos werden.

«I’m a collector. I’ve always seemed to collect personalities and ideas.»

David Bowie

Am Ende eines Traums erwacht Bowie in einer Berliner U-Bahn. Kurz vor der Mauer trifft er auf Grenzbeamte. Müde und erschöpft von der vergangenen Episode seines Lebens, zugleich verwirrt von neuen Eindrücken, stolpert er in eine Realität, in der er nicht als Superstar gefeiert wird, sondern einer von vielen ist. 

Zuvor war er eingenickt. In seinem Traum blitzt die Vergangenheit auf: Außerirdische finden ihn und wollen ihn behalten. Vielleicht eine Erinnerung an den Science-Fiction-Film Der Mann, der vom Himmel fiel, in dem Bowie 1976 mitspielte.

Es entstehen Fragen nach Identität: Wer ist dieser Mensch? Dieser Star? Die Kunstfigur? Ein Reporter versucht, Antworten zu finden. Er interviewt Bowie – und merkt doch, dass sich dieser Künstler nicht vollständig greifen lässt. Was meint Bowie, wenn er sagt: «Hier bin ich eigentlich nur David Bowie?»

Fasziniert von der geteilten Stadt begegnet er einer hochschwangeren Ost-Berlinerin, die nun – getrennt von ihrem Mann – im Westen lebt. Täglich steht sie an der Mauer und beobachtet ihn auf der anderen Seite in seinem Büro. Kurz bevor sie gemeinsam in den Westen wollten, entschied er sich zu bleiben. Eine Geschichte, die stellvertretend für viele durch die Mauer getrennte Biografien steht. Später beobachtet Bowie einen rotzigen Berliner Jungen, der lautstark über alles schimpft, was ihn ankotzt. Vielleicht eine Begegnung, die an das Gemälde Child in Berlin erinnert – das Bild eines grimmigen Jungen im Treppenhaus eines Berliner Altbaus. Mit Einbruch der Nacht erscheint Romy Haag. Für sie gibt es nur ein Bild für die Rock-Ikone: den Kolibri – ein Vogel mit rasendem Flügelschlag, Symbol für Bowies rastlose Energie.

Im Chez Romy Haag, ihrer legendären Bar, begegnen sich Bowie und die Künstlerin. Sie wird für ihn Freundin, Wegbegleiterin und Muse. Die Nacht führt weiter in einen der legendären Clubs der 1970er Jahre: Das Sound. Ein Ort zwischen künstlerischer Freiheit, exzessiven Nächten und Drogenrausch. Hier feiert Bowie hemmungslos, bis er auf ein junges, streitendes Paar trifft, das an Christiane F. und ihren Freund erinnert – eine Anspielung auf den Film Wir Kinder vom Bahnhof Zoo von 1981, in dem Bowie selbst auftritt.

Als die Nacht endet, steht Bowie in einer verlassenen U-Bahn-Station zwei merkwürdigen Gestalten gegenüber. Hat er sich verlaufen? Ist er wieder auf einem Trip? Oder träumt er noch immer? Den wohl größten Einfluss auf Bowie während seiner Berliner Zeit hat die Freundschaft zu Iggy Pop. Um vier Uhr morgens begegnen sich die beiden in der Küche ihrer Wohngemeinschaft – in sehr unterschiedlichen Zuständen. Vielleicht entstehen genau hier die Ideen für Songs, die später um die Welt gehen.

Auch der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, eine wichtige Inspirationsquelle für Bowie, taucht auf. In einem Gespräch mit seiner Mutter diskutiert er über Demokratie und politische Verantwortung – Fragen, die heute ebenso aktuell erscheinen wie in den 1970er Jahren.So rückt eine weitere zentrale Frage in den Mittelpunkt: Was ist eigentlich Kunst?

Später trifft Bowie auf einen Menschen, der sein Leben beenden möchte. Ein Moment, der existenzielle Fragen aufwirft: Ist der Tod das Ende – oder der Anfang von etwas Neuem? Wann ist es Zeit, eine Lebensphase zu beenden und neu zu beginnen?
Schließlich diskutiert Bowie mit sich selbst – und mit den vielen Persönlichkeiten, die in ihm leben. Vielleicht ist der Moment gekommen, sich neu zusammenzusetzen, aufzubrechen und die Berliner Jahre hinter sich zu lassen.

Justine Wiechmann

INTERVIEW MIT NIKLAS RITTER

Was verbindest Du persönlich mit dem Berlin der 1970er Jahre?

Ich bin in den 1970er Jahren in Berlin geboren. Ich verbinde also Kindheitserinnerungen mit dieser Zeit. Ich denke da an Theaterproben auf der Probebühne der Berliner Schaubühne und den Kinderladen, in dem ich unterkam. West-Berlin, eine Stadt an der Mauer, und an verstohlene Blicke auf die andere Seite. «Schieben oder fahren» kommt mir in den Sinn: Spart man Benzin vorm Passieren der Grenze und schiebt das Auto, oder fährt man permanent Stop-and-Go? Mir fällt die Tristesse der Transitstrecke ein und die frische West-Berliner Luft, wenn man die Grenze überquert hatte. Außerdem fällt mir das Grips Theater ein, und wenn ich daran denke, kommt mir in den Sinn, dass ich immer zum Zirkus wollte. Ansonsten wollte ich schon früh Absatzschuhe haben – mit fünf Jahren wollte ich Stiefel mit Absätzen! Das waren noch Zeiten. Wenn ich an die Winter zurückdenke, fallen mir direkt zugefrorene Seen ein.

Was beeindruckt Dich besonders an David Bowie?

Die unstillbare Neugier, die Bereitschaft, sich immer wieder neu in Frage zu stellen und neue Wege zu gehen, und dieser grenzenlose Vorrat an Kreativität, den er hatte – sowohl in der Kunst als auch privat. Seine Klugheit und seine Erotik. Schön und schlau.

Was verbindet Dich mit David Bowie?

Neugierde – die Bereitschaft, in neuen Gefilden immer wieder bei Null anzufangen.

Welche Person aus Bowie’s Berliner Jahren fasziniert Dich seit der Recherche besonders und warum?

Romy Haag! Romy Haag hat durch ihr Sein wahnsinnig viel für die Trans- und Schwulenszene in Deutschland geleistet und ist letztlich bis heute ein Vorbild für viele andere Menschen. Sie ist ihren eigenen Weg gegangen, obwohl es kein schmerzfreier Weg war. Was für ein aufregendes Leben voller Abenteuer. So mutig, schwierig und schön.

Welcher Song aus der Berlin-Trilogie hat Dich am meisten überrascht? 

An den drei Alben hat mich insgesamt das Unkonventionelle überrascht. Ich denke direkt an das Musikvideo von Boys Keep Swnging, in dem eine Demaskierung stattfindet. Es ist eigentlich ein Transgender-Video – ein ungewöhnliches Video in der Popwelt für die Zeit.
Außerdem haben mich die instrumentellen Stücke überrascht, wie Sense of Doubt. Die Kraft von Look Back in Anger beeindruckt mich immer wieder. Und Henning Z. Bäcker, der den Song in der Inszenierung interpretiert, macht es mit seiner Direktheit beim Singen einfach cool.

Welcher Song ist Dein Berlin-Trilogie-Highlight und welcher Dein Abend-Highlight?

D.J. fegt mich immer wieder vom Stuhl. Und ein Song, der nicht von den drei Alben ist, sondern aus dem Jahr 1972 – zwei Wochen nach meiner Geburt erschienen – musste unbedingt Teil des Abends werden: Rock’n’Roll Suicide. Und Station to Station geht durch alle Schichten des Körpers und berührt mich einfach immer wieder.

Das Interview führte Justine Wiechmann

«Ich glaube, ich komme von
einem anderen Planeten. 
Und ich  habe keine Ahnung, 
wie ich hierhergekommen bin.»

«Heroes – David Bowies Berliner Jahre»

Impressum

HERAUSGEBER Stadttheater Bremerhaven
SPIELZEIT 2025/2026, Nr. 20
INTENDANT Lars Tietje
VERWALTUNGSDIREKTORIN Franziska Grevesmühl-von Marcard
REDAKTION Justine Wiechmann 

QUELLEN
Buckley, David, «Story & Songs kompakt – David Bowie: Das unentbehrliche Handbuch», Bosworth Music, Berlin 2008.
Kelleter, Frank, «David Bowie. 100 Seiten», Reclam Verlag, Ditzingen 2016.
Morgen, Brett, «Moonage Daydream», Universal Pictures, Kalifornien 2022.

Die Texte wurden zum Teil redaktionell gekürzt oder bearbeitet. Urheber:innen, die nicht erreicht werden konnten, werden zwecks nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.

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Besetzung

Ein Mikrofon mit Popschutz.

Prolog

Kurzeinführung zum Stück

Prolog

Kurzeinführung zum Stück

Einleitung zum Stück als Audio-Datei

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