Eine Frau und ein Mann sitzen an einer Bar. Sie schauen weg. Vor ihnen stehen ein Glas Wein und ein Bier.

State of the Union – Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Eine Ehe in zehn Sitzungen von Nick Hornby / Deutsch von Ingo Herzke

PREMIERE 13. Februar 2026 // Quartier 159 (Bgm.-Smidt-Straße 159)

Vorstellungstermine

13.02.2026 um 19:30 Uhr AusverkauftPremiere
20.02.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft
26.02.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft
05.03.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft
12.03.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft
01.04.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft
15.04.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft
24.04.2026 um 19:30 Uhr Ausverkauft

Wenn eine fremdgeht (Louise), dann kann es passieren, dass der andere auszieht (Tom). Wenn jetzt noch Kinder im Spiel sind (in diesem Fall zwei), dann ist die Geschichte jedoch nicht zu Ende. Das Mittel der Wahl lautet heute: Paartherapie. Louise und Tom treffen sich jede Woche in einer Kneipe, um sich auf die bevorstehende Sitzung einzustimmen. Denn in drei Dingen sind sie sich trotz allem einig: Der andere ist schuld, trennen wollen sie sich nicht, und keine Krise kann so schlimm sein, dass man sich die Gelegenheit entgehen lässt, dem anderen mit einer spitzen Bemerkung eins auszuwischen.
Mit seinem besonderen Gespür für sympathische Antihelden zeigt uns Nick Hornby anhand eines ganz normalen Ehepaars die komischen und berührenden Seiten einer Ehekrise.

INSZENIERUNG & KOSTÜME Finn Lorenzen
DRAMATURGIE Peter Hilton Fliegel 

 

LOUISE (verheiratet mit Tom, Ärztin) Angelika Hofstetter
TOM (verheiratet mit Louise, Musikjournalist) Kay Krause

 

REGIEASSISTENZ, SOUFFLAGE & INSPIZIENZ
Lea Beckmann

State of the Union – Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Eine Ehe in zehn Sitzungen von Nick Hornby

SCHLÜSSEL ODER KULI?

Song: Sit Down von James «Sit down next to me / Sit down in sympathy» // Erste Woche: Marathon «Du hast mit jemand anderem geschlafen, und jetzt sind wir hier.» «Aber es steckt doch ein bisschen mehr dahinter, oder?» // Song: Snap Out Of It von Arctic Monkeys «I wanna grab both your shoulders and shake, baby / Snap out of it» // Zweite Woche: Antike Globen «Wenn man drüber nachdenkt, ist es wie beim Brexit. Wir werden noch zwei volle Jahre verhandeln, bis wir uns darüber einigen können, wo die Probleme überhaupt liegen.» «Aber beim Brexit geht es um eine Scheidung. Willst Du damit sagen, darauf steuern wir auch zu?» // Song: Kill The Director von The Wombats «If this is a rom-com, kill the director» // Dritte Woche: Schlüssel oder Kuli «Also, ich sehe Leidenschaft nicht so wie Benzin. Dass sie einem ausgeht. Eher wie etwas, das man verliert. Wie einen Schlüssel. Oder einen Kuli.» «Schlüssel findet man aber wieder. Kulis nicht. Ich würde also gern erfahren, welches von beiden.» «Ich habe so das Gefühl, wenn ich jetzt Kuli sage, nimmt unsere Ehe eine unheilvolle Wendung.» // Song: The Female of the Species von Space «Frankenstein and Dracula have nothing on you / Jekyll and Hyde join the back of the queue / The female of the species is more deadly than the male» // Vierte Woche: Gips «Ich glaube, du musst dich entscheiden: Bist du auf meiner Seite?» «Dieses Spiel spiele ich nicht mit.» «Das ist kein Spiel. Sind wir ein Paar? Zwei gegen den Rest der Welt?» // Song: High and Dry von Radiohead «Drying up in conversation / You will be the one who cannot talk / All your insides fall to pieces / You just sit there wishing you could still make love» // Fünfte Woche: Normale schiefe Ebene «Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst.» «Wir hatten ein paar ziemlich schlimme Tage.» «Aber ausziehen ist eine rutschige schiefe Ebene und es kann sehr mühsam sein, sie wieder raufzuklettern.» // Song: Dickhead von Kate Nash «Why’re you being a dickhead for / Stop being a dickhead / Why’re you being a dickhead for / You’re just fucking up situations» // Sechste Woche: Russell und Naomi «Wer ist Naomi?» «Oder Jenny oder Jackie. Oder was weiß ich. Deine neue Partnerin. Ich meine, wenn wir uns schon trennen, würde ich mich freuen, wenn wir alle gut miteinander auskommen.» «Zu ‚wir alle‘ gehört dann auch dein neuer Partner, nehme ich an. Russell oder Colin oder Hugh.» «Na, schönen Dank. Richtige Scheißnamen.» // Song: Champagne Supernova von Oasis «But you and I, we live and die / The world’s still spinnin’ ’round, we don’t know why»

PAUSE

Song: The History of Man von Maisie Peters «I couldn’t believe it / How you could just stop wanting me?» // Siebte Woche: Call the Midwife «Du hast mich noch nie ausreden lassen.» «Ich unterbreche dich nur, wenn du über ‚Call the Midwife‘ ablästerst.» // Song: Getting Away With It (All Messed Up) von James «Are you aching for the grave? / Well, that’s okay / ‘Cause we’re insured» // Achte Woche: Delfine «Viele Paare fangen mit Sex an und sehen dann weiter.» «Ist dann wohl so, wie einen neuen Job anzutreten. Ein Tag folgt auf den anderen, und zwanzig Jahre später bist du immer noch da.» // Song: I Always Knew von The Vaccines «So let’s go to bed before you say something real / Let’s go to bed before you say how you feel» // Neunte Woche: Gefängnissex «Es war ein bisschen so, wie ich mir Sex nach einer Haft vorstelle.» «Wer von uns war denn im Gefängnis?» «Also, sexuell gesprochen, waren wir beide im Knast.» // Song: Common People von Pulp «Wanna sleep with common people / I wanna sleep with common people like you / Well, what else could I do? / I said I’ll, I’ll see what I can do» // Zehnte Woche: Noch ein Glas «Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Doch, ich weiß, was ich sagen soll. Ich liebe dich.» // Song: Laid von James «You’re driving me crazy, when are you coming home?»

DER BREXIT IN KÜRZE

1973
Das vereinigte Königreich (UK) tritt der Europäischen Gemeinschaft (EG bis 1993, danach EU) bei.

1975
Zwei Drittel der Stimmberechtigten sprechen sich in einem Referendum für die Mitgliedschaft in der EG aus.

2012
Premier David Cameron schließt ein Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union (EU) aus.

2015
Cameron hält es für möglich, ein Referendum durchzuführen. Ziel: die Bedingungen, zu denen UK in der EU bleiben würde, neu auszuhandeln. Nach Wahlsieg im Mai wird ein Gesetz als Grundlage für eine rechtlich bindende Abstimmung verabschiedet. 

2016
65% der Bevölkerung wollen Austritt oder noch mehr Ausnahmen von EU-Recht. 1993 waren es noch 38% (Analyse der University of Strathclyde, Glasgow).
22. Februar: Cameron kündigt das Referendum für den 23. Juni an: «Should the United Kingdom remain a member of  the European Union or leave the European Union?» Resultat: 51,89% für «Leave», 48,11% für «Remain».
Cameron kündigt Rücktritt zum 13. Juli an.

2017
Premier Theresa May setzt Austrittsprozess formell in Gang. Vorgezogene Parlamentswahl endet mit Stimmenverlusten für Regierung. Folge: ein «hung parliament», was bedeutet: keine Partei erreicht die absolute Mehrheit und somit kann zunächst keine Regierung gebildet werden (Mehrheitswahlrecht). Ausweg: Die Konservativen bilden Minderheitsregierung, toleriert von derprotestantischen DUP in Nordirland.

2020
Vollzug des Brexit am 31. Januar unter Premier Boris Johnson. Davor in drei Jahren zwei gescheiterte Entwürfe eines Ratifizierungsabkommens (Dezember 2018: Rücktritt Theresa May, und 2019: Nachfolger  Boris Johnson leitet Neuwahlen ein, stabile Mehrheit für die Konservativen).

DER AUTOR

Nick Hornby, geboren am 17. April 1957 südlich von London in Redhill, gehört zu den bekanntesten lebenden britischen Autoren. Seine Bücher drehen sich meistens um die Frage, ob und wie Menschen ihre Selbstbezogenheit überwinden und in echten Kontakt mit anderen Menschen treten können. Mit warmherzigem Humor untersucht er immer wieder, wie man Einsamkeit und Isolation in Zuneigung und Austausch verwandeln kann. Seine bekanntesten Bücher sind Fever Pitch, High Fidelity, About a Boy und A Long Way Down. Sein Roman State of the Union erschien 2019 und erzählt von einer Ehekrise in den Jahren des Brexit.

IMPRESSUM

HERAUSGEBER Stadttheater Bremerhaven
SPIELZEIT 2025/2026
INTENDANT Lars Tietje
REDAKTION Peter Hilton Fliegel
AUFFÜHRUNGSRECHTE bei Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

QUELLEN
STATE OF THE UNION – KEINER HAT GESAGT, DASS DU AUSZIEHEN SOLLST – Eine Ehe in zehn Sitzungen von Nick Hornby, Deutsch von Ingo Herzke; erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, Köln;
en.wikipedia.org/wiki/Brexit
en.wikipedia.org/wiki/Nick_Hornby
Zitierte Songtexte: Internetrecherche

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Besetzung

Ein Mikrofon mit Popschutz.

Prolog

Kurzeinführung zum Stück

Prolog

Kurzeinführung zum Stück

Einleitung zum Stück als Audio-Datei

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Ein aufgeschlagenes Buch wird in Händen gehalten. Das Lesezeichenband liegt auf der rechten Buchseite.

Podcast zum durchlesen

Transkript der Kurzeinführung

Podcast zum durchlesen

Transkript der Kurzeinführung

Herzlich willkommen zur Einführung zu State of the Union von Nick Hornby.

Mein Name ist Peter Hilton Fliegel, ich bin Leiter des Schauspiels am Stadttheater Bremerhaven und ich habe diese Produktion als Dramaturg betreut.

Wenn man langjährigen Statistiken und Umfragen trauen darf, hat rund ein Fünftel aller Menschen, die in einer festen, als monogam definierten Beziehung leben, schon einen oder mehrere sexuelle Kontakte außerhalb dieser Beziehung gehabt. Und auch wenn rund die Hälfte dieser Menschen ihre Affäre nicht als Bedrohung der Beziehung sehen, gilt ein Seitensprung allgemein als Problem, der das gegenseitige Vertrauen zumindest vorübergehend in Frage stellt.

Es gibt nun verschiedene mögliche Konsequenzen einer Affäre – ab dem Moment, an dem beide davon wissen. Trennung ohne weitere Klärung wäre eine Möglichkeit. Weggucken und so tun, als wäre nichts passiert, eine weitere. Darüber hinweggehen und den Partner mit Liebesentzug zu bestrafen, ginge auch. Seinerseits zum Seitensprung aus Rache anzusetzen, kommt auch vor. Empfehlenswert scheinen diese Varianten allesamt nicht. Da kommt die heutzutage wahrscheinlich häufigste Reaktion ins Spiel: die Paartherapie bzw. die Beratung.

Und genau dafür entscheiden sich Louise und Tom, die beiden Hauptfiguren in Nick Hornbys Roman State of the Union. Oder wie Tom es so trocken beschreibt: «Du hast mit jemand anderem geschlafen, und jetzt sind wir hier.» Worauf Louise entgegnet: «Aber es steckt ein bisschen mehr dahinter, oder?» Und damit sind wir bei einem weiteren Aspekt des Fremdgehens, den fast alle Paare beschreiben: Meistens geht dem Seitensprung irgendeine Phase voraus, in der die Beziehung nicht mehr im Gleichgewicht war, in Sachen Sex oder Nähe und wegen beidem.

Louise und Tom jedenfalls leben schon länger mehr oder weniger friedlich nebeneinanderher, gehen ihrem Alltag nach, kümmern sich um die Kinder - und schlafen nicht mehr zusammen. Bis Louise alleine zu einer Abendeinladung geht und Matthew kennenlernt. Das ist der Ausgangspunkt für Nick Hornbys Ehe in zehn Sitzungen, wie der Untertitel des Romans lautet.

Wie immer schafft es Hornby, ein eigentlich ernstes Thema mit leichter Hand anzugehen. Wie schon in A Long Way Down, in dem sich vier Selbstmörder auf dem Dach eines Hochhauses begegnen und dann keiner mehr springen kann, weil er jetzt Zuschauer hätte. Oder wie in Nipplejesus, wo ein Security-Mann, der gar nichts von moderner Kunst hält, abgestellt wird, ein provokantes Kunstwerk zu bewachen und es plötzlich vor den Angriffen empörter Aktivisten schützen muss. Oder eben jetzt in «State of the Union», wo Louise sich als Gerontologin mit dem Altwerden an sich und mit dem Gesundheitssystem im globalisierten Kapitalismus befasst und Tom als Printjournalist im Bereich Rock- und Popmusik selbst mit seinen Ü60 noch über junge Menschen schreibt und das in einer Branche, die im Niedergang begriffen ist. Hornbys böse Pointe ist, dass beide in der Krise feststellen müssen, dass sie vom beruflichen Alltag des anderen herzlich wenig Ahnung haben. Das ist beim Versuch, neben dem Ehe-Alltag noch irgendetwas Verbindendes zu finden, nicht gerade hilfreich.

In allen diesen Geschichten müssen die Protagonisten einen inneren Widerstand überwinden, auf einander zugehen und dabei Gedanken und Gefühle zulassen, die sie lieber abgewehrt hätten. Der Security-Mann muss feststellen, dass das zu bewachende Kunstwerk vielleicht doch seine Berechtigung hat. Die vier Selbstmörder kommen zur Erkenntnis, dass sie doch lieber weiterleben würden und nur nicht mehr wissen, wie das gehen soll. Und Tom und Louise? Müssen bei ihren Treffen in der Kneipe, von wo aus sie jeweils zusammen zur Beratung gehen wollen, feststellen, dass sie doch noch mehr verbindet, als sie dachten. Und dass eine Trennung vielleicht noch schwerer ist, als zu akzeptieren, dass ihre Ehe zwar nicht ideal, aber immer noch liebenswert ist.

Wie der Titel andeutet, verknüpft Hornby das Ringen der beiden Eheleute mit dem Streit um den Brexit in den Jahren zwischen 2016 und 2020. Der State of the Union hat bei ihm durchaus zwei Bedeutungen. Und mit diesem Beispiel jubelt er dem Leser – oder in unserem Fall der Übertragung aufs Theater dem Zuschauer – höchst charmant die Frage unter, ob das Private nicht doch immer auch politisch ist, wie es progressive Stimmen seit bald 60 Jahren behaupten.

Was bedeutet es für unsere Liebesbeziehungen, Familien und Freundschaften, wenn politische Kämpfe immer unerbittlicher ausgetragen werden? Wenn eine politische Haltung zu einem bestimmten Thema sofort als umfassende politische Identität eingestuft wird? Wenn das gute alte «We agree to disagree» nicht mehr gilt? Wie ist ein gesellschaftlicher Ausgleich möglich, wenn die politische Haltung nur noch die Einteilung in Freund oder Feind zulässt?

Am Ende des Stückes vergleichen Louise und Tom ihre Ehe mit einem windschiefen Haus, von dem man sich fragt, warum es überhaupt noch steht. In diesem Gedanken steckt etwas Versöhnliches. Nämlich der Gedanke: Es ist zwar krumm und schief, aber es ist unser Haus und wir kennen und mögen es

 

In diesem Sinn endet diese Einführung mit einer Zeile aus dem Song Laid von James: «You're driving me crazy / when are you coming home?»

 

Das Stück State of the Union von Nick Hornby zeigen wir bis zum Ende der Spielzeit im Quartier 159 auf der Alten Bürger - in Kooperation mit Mike Heilmann und dem Quartier 159. Die Platzzahl ist auf 30 Zuschauer pro Vorstellung limitiert. Kümmern Sie sich als rechtzeitig um Karten.

 

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